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© Steffen Reinhold
Dr. Skadi Jennicke (Kulturbürgermeisterin), Anja-Christin Winkler/Etienne Walch vom Vorstand des Eisler-Haus Leipzig e.V., Gregor Forbes (Komponist), Steffen Schleiermacher (Komponist), Werner Kopfmüller (Vorstandsassistent Eisler-Haus Leipzig e.V.) (v.l.)
 
Im Rahmen eines Eisler-Konzertes in der Konzertreihe "Musica Nova" des Gewandhauses zu Leipzig wurde dem jungen Komponisten Gregor Forbes das Erste Internationale Hanns Eisler Stipendium durch die Leipziger Kulturbürgermeisterin und den Vorstand des Eisler-Haus Leipzig e.V. offiziell verliehen. Ausgewählt wurde er aus 134 Bewerbungen, die aus 35 Nationen stammten. Eine Jury, deren Vorsitz der Komponist und Pianist Steffen Schleiermacher inne hatte, traf die Entscheidung für den 1993 im schottischen Edinburgh geborenen Künstler. Der Stipendiat, von dem an diesem Abend das Werk "Color Fields" aufgeführt wurde, wird ab April 2019 für fünf Monate in Eislers Geburtswohnung leben und arbeiten. Mindestens ein entstehendes Werk wird dann in Steffen Schleiermachers Konzertreihe zu hören sein. Der Abend war dem 120. Geburtstag Hanns Eislers gewidmet. Das Publikum zeigte sich begeistert. Steffen Schleiermacher führte durchs Programm, das Ensemble Avantgarde spielte überzeugend. Julia Sophie Wagner (Sopran) zeigte die ganze Bandbreite Eislerschen Liedschaffens gemeinsam mit Steffen Schleiermacher (Klavier). Höhepunkt und mehrfache Zugabe bildete Schleiermachers Arrangement der Filmmusik zu "Kuhle Wampe" für zwei Klaviere und Schlagzeuge.
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News

A-Cappella-Chöre bei Breitkopf & Härtel erschienen

Pünktlich zum 300. Jubiläum des Verlags Breitkopf & Härtel ist im Rahmen der Hanns Eisler Gesamtausgabe Band 5 der Serie I (Chormusik) erschienen: A-cappella-Chöre 1925–1932, herausgegeben von Johannes C. Gall.

Die in diesem Band vorgelegten Kompositionen für Chor a cappella machen Eislers sukzessive Politisierung nachvollziehbar. Bereits die Drei Männerchöre op. 10 nach Worten von Heinrich Heine etablieren ein zeitgemäßes gemeinschaftsmusikalisches Gegenmodell zur Innerlichkeit der Gesangsvereinstradition. In den Vier Stücken für Gemischten Chor op. 13 nach eigenen Texten heißt es programmatisch: »Auch unser Singen muss ein Kämpfen sein!«. Diesen Anspruch auf vokale »Kampfmusik« erfüllen insbesondere die Massenchöre – Stücke, die nicht mehr primär für die Aufführung im Konzertsaal konzipiert, sondern auf politischen Veranstaltungen und, so der Titel eines Demonstrationslieds für Chor und kleine Trommel, Auf den Straßen zu singen sind. Ihre Schlagkraft bezieht diese Kampfmusik aus dem treibenden Metrum und den aggressiven Rhythmen des Marsches, einprägsamer Melodik sowie einer zumeist auf lapidaren Dreiklangsfolgen beruhenden Harmonik – häufig mit kirchentonalem Einschlag und in rebellischem Mollcharakter.

Die vor allem für die Arbeiterbewegung der Weimarer Republik relevanten Kompositionen liegen bisher nur in verstreuten und zum Teil schwer greifbaren Einzelausgaben vor. Ein großer Gewinn des Bandes I/5 besteht daher nicht zuletzt in der erstmaligen vollständigen Zusammenstellung der Chorstücke aus den Jahren 1925 bis 1932.
(Johannes C. Gall)

Insbesondere für professionelle und semiprofessionelle Chorvereinigungen dürfte dieser Band eine echte Entdeckung sein – ein Schatz, der darauf wartet, klingend gehoben zu werden.
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